WOLFGANG VOSS - KUNST - TEXTE

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TEXTE:  

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Diese Seite ist noch im Aufbau - viele Links auf die ehemaligen Seiten funktionieren noch nicht wieder!

 

+ Hier werden nach und nach kurze gedankliche Skizzen zu Kunst und Leben
   erscheinen.

+ Bei unserer ersten Sommerakademie im Bahnhof Oderberg-Bralitz (B_O_B)
   wurde nicht nur praktisch gearbeitet.  Dieter Zawischa referierte Teile seiner
   Vorlesung "Ästhetik und Naturwissenschaft".
   Mein Beitrag war eine Ausführung zum Werk Fancisco Goyas besonders zu seinen
   "Dunklen Bildern ist leider beim letzten Server-Crash verloren gegangen.

+ An diese Stelle tritt nun meine Recherche zum Frankfurter Konflikt um "AFFENSTEIN" oder EISKELLER ?   

+ Zur Ausstellung "ZWEI ÄPFEL"

+ Die Einführungsreden zu den Ausstellungen "ZWEI äpFEL"[ 21.05.2005 ] und 
  "Bewegung..." [ 04.02.2006 ] im Endokrinokogikum Hannover 
   werden hier dokumentiert.

+ Der Text zum Wettbewerb "NESTER DER NORDSTADT"

+ Ein weiterer Text zur ersten Frankfurter Ausstellung "Das Gedächtnis des Ortes"

+ LiebLINKS zur Ausstellung "...und wer bist Du?"

+ Eine weitere Einführung zur Ausstellung "ICH WART AUF DICH IM ABENDWIND"

+ Ein Interview zum Aktzeichnen & Kunst und Lyrik "danach"; Text zur Ausstellung: "GEWEBE WEG"

+ Modelle und ihr Schatten

+ Zum anderen gibt es einige ältere Abhandlungen, die für den Künstler-
   Frühling 1997 verfasst  wurden. 

 


 
 
 

Was ist Kunst? - Hier sollen Antworten wachsen.

Kunst = was fehlt?

Privation 
[=Beraubung, Entziehung. Negation, bei der das negierende Prädikat dem Subjekt nicht nur eine Eigenschaft, sondern auch sein Wesen abspricht]
und Levitation                                                                                                               --> 
[=vermeintliche Aufhebung der Schwerkraft, freies Schweben]
(F. Goya; P. Celan)

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   V

Wunsch und Notwendigkeit, --> Schönheit (I. Kant; F. Schiller; E. Salber; P. Sloterdijk; J. Berger)
Not und Kunst der frühen Menschen 
Rhythmos: (Ursprünge des Jazz) - Schmerz wandelt sich in Dynamik
Leichtigkeit: (Perseus - Medusa; Kafkas Kübelreiter)  --> sechs Vorschläge für die Zukunft (I. Calvino)

"Schönheit als Notwendigkeit, der wir uns gern ergeben, weil sie unseren innersten Wünschen 
entspricht."

   |
   V

Maler und Modell    --> (J. Berger)
über das Aktzeichnen,  -fotographie und abstrakte Malerei

Wenn es gelingt, dann ist das Aktzeichnen Entfaltung und Entschwinden in einem.

Schönheit ist eine Form des Verschwindens.

Auch hier bleibt die Situation in der Schwebe; sie kann erotisch sein, verpflichtet aber zu nichts. Das Abbild ahnt 
ein Versprechen, dass es verfehlen wird; so produzieren wir beim Zeichnen eine süße Form des Scheiterns...

Das Modell ist mit beteiligt, es arbeitet manchmal spürbar mit am Werk und wird ein Teil davon; dann spürt
der gesamte Kurs die Befindlichkeit und alle zusammen geraten wir in kreativen Taumel oder Groove.

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   V

Moment und Zukunft --> (F. D. E. Schleiermacher; M. Frisch; J. Henningsen)
Autobiografie

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   V

W E G E - P R O J E K T


Liebe Kunstfreunde,

Der Titel  „
ZWEI äpFEL“  hat für Verwunderung gesorgt, ist ja nun auch mindestens doppeldeutig gemeint.

Kleist, Descartes und die Wirksamkeit von Kunst:

Heinrich von Kleist beschreibt in seinem Text „über das Marionettentheater“ (1810)
( http://gutenberg.spiegel.de/kleist/marionet/mario001.htm ) wie das Bemühen des Verstandes die Ursprünglichkeit der analysierten Situation zu Nichte macht - der Logos eine Erosion des betrachteten (Natur)Zustandes verursacht.

Nach einem gemeinsamen Bad beim Abtrocknen erinnert ein Freund ihn an die antike Statue „der Dornauszieher“.  Dies an gesprochen scheitert jeglicher Versuch bewusst diese antike Schönheit, diese spontan gelungene „Pose“ nachzustellen; Ja die Versuche enden in Verkrampfung und Lächerlichkeit...
"Wir müssen ein zweites mal vom Baum der Erkenntnis essen, um in den Zustand der Unschuld zurück zu gelangen."

Kleist verwendet nicht nur das Bild des zweiten Apfels vom Baum der Erkenntnis, sondern auch die Metapher eines Hohlspiegels, der die Erkenntnis durch ein Unendliches projiziert, wieder mit dem Ursprünglichen versöhnt.


Fortschritt hat Nebenwirkungen. Erweiterte Kulturräume zerstören  gegebene Rhythmen. Die Menschheit geht an ihrem eigenen Erfolg zu Grunde.
    
"Treffen sich zwei Planeten sagt der eine: Du siehst aber  schlecht aus - sagt der andere:
       ja ich hab' Homo sapiens. sagt der erste: keine Panik, das gibt sich!"

             * * *

René Descartes (1596 – 1650)

Cogito ergo sum = ich zweifle also bin ich. Die Wirklichkeit existiert nur als Übereinkunft und Machtfrage. Nur die Tatsache des eigenen Zweifels ist unbestreitbar. Zweifel als Methode der Wahrheitsfindung unabhängig von jeglicher Autorität.

             * * *

„Ich bin ein Clown und sammle Augenblicke“ (H. Böll) beschreibt vielleicht am einfachsten das Vorgehen beim Malen. Ein bisschen Biographik, widerstrebendes Einzelnes doch in eine Form zu bringen. Eine Machart, die zugleich diverse andere Möglichkeit ausschließt. Vieldeutigkeit gebannt in einen Fokus. Ein Bild, das wiederum vielfältige Deutungen zulässt. Eine Transformation von Widerfahrnissen (Schmerz) in Rhythmos - Ich will mir einen "Reim" machen auf das, was war und wird... Metrik, Reim, Groove, Blues - Malerei, Dichtung, Musik - alle versuchen eines zu bilden: eine (feste) Struktur und Leichtigkeit.

Hier zeigt sich Wirksamkeit von Kunst: Des Betrachters Gefühl ist oft nah an der Ausgangssituation, wenn denn beide empfänglich sind. Der Künstler als „Macher“, die „Größe des Werkes“ führen auf eine falsche Fährte – künstlerisches Tun ist eher der Ausdruck von Empfänglichkeit: „ich werde heller, wenn ich weiß, was mich beschattet. Und umgekehrt finden auch Widergänger nur im Erkanntsein Frieden.“ (M. Werner)

Also wünsche ich allen einen empfänglichen Empfang.

Zurück ZWEI  äpFEL

 


Zur Gemeinschaftsausstellung von Gabriele Weiser und Annette Musall (04.02.2005):

Liebe Kunstfreunde: warum schauen wir Bilder an ?

Die Wirksamkeit von Kunst ist mal wieder mein Thema:
Der Zeichner Erich Ohser (1902-1944) besser bekannt unter dem Namen e. o. plauen hat es in mit dem Blatt "Kunst bringt Gunst"der "Vater und Sohn"-Geschichten auf den Punkt gebracht.
Am Anfang stehen Ungemach, Widerfahrnisse, Schicksalsschläge. Das Stolpern führt in der Theatertheorie zur Komödie, der Sturz in die Tragödie ... und der Mensch verwandelt Schreck und Schmerz in Leichtigkeit und Rhythmos, indem er sich seinen "Reim auf die Dinge" macht. Es sind "Lebenssituationen" (meistens die unguten), die uns produktiv werden lassen.

"Unsere bewegten Lebensbilder unsere Verhältnisse, unsere Wege und Irrwege treten uns wie etwas Fremdes, in das wir hineingeraten sind, entgegen. Unsere Leiden , unsere Taten, unsere Schicksale, unser Mitgerissensein erschrecken uns ... Es überkommt uns, unverfügbar, ein unbehandelbares Anderswo. Unentwirrbar gehen Wirkliches und Unwirkliches ineinander. Wenn der Bann gewichen ist, sagen wir, das ist komisch." 
  
(Wilhelm Salber: "Undinge : Goyas Schwarze Bilder")

Der Größte Schreck des Menschen ist der Anblick der Medusa. Er lässt uns versteinern oder - "ewig grüßt das Murmeltier"- nicht mehr aus der Tretmühle. Die Auflösung dieses Schreckens sind Indirektheit und Leichtigkeit. 
Der Held Perseus ist eigentlich ein Leichtgewicht:

"Um den Kopf der Medusa abzuschlagenen, ohne dabei zu versteinern, hält Perseus sich an das Allerleichteste, an die Winde und Wolken; und er richtet seinen Blick auf das, was sich ihm nur in einer indirekten Sicht enthüllen kann, als Bild in einem Spiegel. Sofort fühle ich mich versucht, in diesem Mythos eine Allegorie für das Verhältnis des Künstlers zur Welt zu sehen, eine Lektion in der Methode, die man (...) befolgen sollte."
  
(Italo Calvino: "Sechs Vorschläge für das nächste Jahrtausend")

Perseus schaut die Gorgo nicht direkt an, sein blanker Schild spiegelt den Blick, er schlägt das  Schlangen gesäumte Haupt ab und auch das vergossene Blut bekommt seine Verwandlung ins Leichte: draus wird Pegasus, das geflügelte Pferd.

Unsere Mühen werden wie ein Lächeln; Der pragmatische Weg der "Sachzwänge"ist der Versuch der Tilgung des Flecks. Doch nicht Derzweckheiligtdiemittelfleckweg wird Wirksam in unsrer Seele, es ist der Transformationsprozess, der deutlich werdende Kreative Weg in die "zwecklose Zweckhaftigkeit"
(I. Kant) der Kunst.
Kultur muss das Leben jenseits des Nützlichen immer neu erfinden. Gelingt dies, bewahrt uns die Kunst davor in die "Statue unserer selbst" verwandelt zu werden.

Auf der Seite des Betrachters passiert immer wieder das Ritual, eine feste, kanonisierte Botschaft "was will der Künstler uns damit sagen?" suchen zu wollen. Beschreiten Sie den Weg der kreativen Leichtigkeit: suchen Sie sich ein "Lieblingsbild" und sagen Sie, was Sie diesem schon immer sagen wollten...


ZUM WETTBEWERB "NESTER DER NORDSTADT"
Febr. 2006; Bürgerschule

Malerei: "Herbstlandschaft ohne Land" - 2004.
Acryl, Gouache auf Hartfaser - 50 x 60 cm.


Ein "Nordstadtnest" sollte es sein und mit dem Lebens-Wandel darf es sich beschäftigen oder sogar mit einer Wendung oder Brechung also wichtiger Station.

So abstrakt das Bild auch daher kommt dahinter steckt immer ein kluger Baum. Immer aufs neue schleicht er sich ins Bild: der Blick aus meinem Küchenfenster auf den Innenhof ein Ahorn über's Jahr frühlingsgrün, sommergrün, herbstbund, braun und schließlich kahle "Schwurfinger zum Offenbarungseid" gestreckt.

Ein spitzes Oval in meinem Blickfeld, von Stamm und Ästen gebildet.

Dies verselbständigt sich immer wieder neu und anders, das Bild bildet Schichten und Durchblicke, Mehrdeutigkeit.

"Herbstlandschaft ohne Land" - Farbgebung eines noch warmen Herbstes, die nicht eingebunden ist in eine Landschaft drum herum. Kein Land in Sicht, also ein Boot (das Oval), Segelboot, Paddelboot - von oben oder von unten (unter Wasser) gesehen? - eckt es an oder stürzt es ab - Wasserfall oder spielt da jemand Schiffeversenken? - 

Alter Einbaum oder doch nur eine Schnecke? - ist es verdrahtet und saust die grob verschaltete, missratene Platine durch das All? (1,5 Millionen Jahre später speit sie vielleicht "42" aus?) - Arche oder todeszappelnder Planet, Höllenzugang oder Lustgewinn? - Zuschnappende Tierfalle, Schneeschuh, Riesenmuschi, Katapult, Satellitenbild, Makro- oder Mikroansicht, Bauteil oder Amöbe - man möge davon abstrahieren und kommt den Bildern nah.

Das "Nordstadtnest" liegt mehr im Blick auf Dinge und Gegebenheiten als in der warmen Küchennische.

Acrylfarbfäden im Verlauf bilden den Untergrund, der trocken nicht mehr Wasser löslich ist. Darüber wird Gouache gemalt ("Wasserfarbe"), die immer wieder sich mit Wasser mischen lässt - aufmischen. Und die Gouache lässt sich z. B. mit dem Lappen auch wieder auswischen - und bleibt dann in den Strukturen des Acryls nur noch zum Teil verhaftet - die älteren Schichten schauen wieder durch.


"Das Gedächtnis des Ortes"

Jeder Ort hat seine Geschichte und Geschichten. Nicht jeder Ort gibt alles Preis
– manchmal teilt er unbemerkt, manchmal ungewollt, etwas mit.

Archäologen kratzen vieles ans Tageslicht: Ringwälle jeglicher Epochen, manchmal einer „Kultur“ einem „Stamm“ zuzuordnen. „Es gibt nichts dauerhafteres als ein ordentliches Loch“ formulierte (formulierte Carl Schuchhardt)

Das verfüllte Nichts vergisst nicht.

Leben auch unter dem Mikroskop: Amöben, Bazillen, Pantoffeltierchen – auch sie haben so ihre kleinen Geheimnisse: Wie verführen sich die Pantoffeltiere?

Der Laar: Ein Hausgeist, Schutzgeist, Ortsgeist – wer opfert ihm noch den leckersten Teil des Menüs, damit es ihm angenehm in die Nase steigt?

Die Geschichte der Menschheit im Zeitraffer: „Meineidig, mördrisch, blutig, voll Betörung, roh wild, wüst, grausam ihrer unbewusst...“ (W. Shakespeare)  Krieg, Raub, Mord, Gefräßigkeit, Vergewaltigung, Missgunst, Säuberung und Wiederaufbau, Wirtschaften, Herrschen, Knechten und ein bisschen Kunst...

Wolfgang Voss

Jahrgang 1963, malt und zeichnet seit er einen Stift halten kann.

Seit März 2006 hat es ihn nach 43 Jahren Hannover nun nach Frankfurt verschlagen, dies stellt die Frage nach dem Gedächtnis eines Ortes noch einmal ganz anders.

Hier ist es jetzt die Goethe-Universität, die Bibliothek für Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften, die die Brötchen finanziert.

Das Mampf mit seinen Konzerten und edlen Speisen, die Naxoshalle mit dem „Willy Praml Theater“ und dem Dokumentar-„Kino im Theater“ waren die aller ersten kulturellen Anlaufpunkte in der neuen Stadt. Die „Landungsbrücken“,  das „Kellertheater“, diverse Kinos und die Aktzeichengruppe in der Uhlandstr. kamen bald hinzu.

Da Frauen in eigener Haut so ziemlich das einzige sind, was der Evolution des Menschen ein wenig geglückt ist, gehört das Aktzeichnen zu den dringlichsten Tätigkeiten in der Notwendigkeit mal wieder Optimismus zu tanken.

Soll es ein Gedächtnis des Ortes werden, so gehören unbedingt die Körper der  Menschen dazu. Doch zu erzählen beginnen sie nur nackt. Noch die kleinste Hülle hält sie in den Hierarchien des restlichen Lebens; nackt - und sie erkannten sich.

Der Modelldialog mit dem Einzelnen Zeichner - mit der Gruppe - Kunst oder wirksamer Teil eines Werkes zu werden wäre im Idealfall ein wechselseitige "rückhaltlose Übereignung".

Hier findet sich alles wieder: Die manchmal schöne, meist aufreibende Beziehung zwischen Maler und Modell, Stadt und Leben, Jazz und Zuhörer, Theaterensemble und gebanntem Zuschauer...

Wollen, Können, Künden und ewige Notwendigkeit...

Und wer bist Du?

Malerei in ihrer Beziehung zur Literatur, Jazz, Theater, Lyrik und Eigen-Leben; hier also besonders passend neben der Buchhandlung.

Wenn Italo Calvino in seinen „sechs Vorschläge für das nächste Jahrtausend“ über Erstarrung und Leichtigkeit schreibt,

John Berger mich mit seiner „kleinen Theorie der Sichtbarkeit“ anregt, Der Jazzkeller, das Willy Praml-Theater ...und Pianist Joki unerwartet die Lyrik Eva Strittmatters vertont, dann ist es Zeit für mich, neue Bilder daraufhin zu malen und ältere unter dieser Überschrift wieder zu versammeln.

Der Titel „Und wer bist Du?“ kommt aus den „Cosmicomics“ Calvinos.

Eine ganze paläontologische Metamorphosen-Schau, ein Zeitraffer durch Jahrmillionen wird dort aufgeblättert – und kommt bei der Frage an: „Und wer bist Du?“; denn „jetzt“ immer ist da, wo wir uns finden.
 

Text zur Ausstellung "ich wart auf dich im Abendwind":

Liebe Kunstfreunde,

jetzt, da ich im zweiten Jahr einen Garten mit besitze, ergibt es häufiger die
Situation, etwas zu eng Gesätes später noch einmal umzupflanzen; spannend,
 welche der Pflanzen - dann versetzt - weiter wachsen.
Als ich vor gut drei Jahren nach Frankfurt kam, war das ähnlich - weil ich
 reichlich 40 Jahre im Hannover verbracht hatte.

Aber am dritten Tag bin ich schon im Mampf gelandet, am vierten ins Willy
Praml Theater gestolpert. Aus beiden Orten haben sich die wichtigsten
Beziehungen und prägenden Aktivitäten entwickelt. 

Der zweite Ort wurde Startpunkt für meine Erschließung der gesamten freien
Theaterszene und meine Mitarbeit beim Naxos-Kino im Theater, der erste
brachte mich mit Jogi Kirschner zusammen, der die Ursache für den Titel der
heutigen Ausstellung wurde.

Der Titel "ich wart auf dich im Abendwind" ist die erste Zeile eines von Jogi
vertonten Gedichtes der Schriftstellerin Eva Strittmatter. Abendwind. Dieses
hätte ich niemals wahrgenommen, wenn es nicht von Jogi als letzte von vielen
Zugaben in einem sonst ganz anderen Kontext vorgetragen worden wäre.

Das Lied hat mich lange verfolgt; die geschriebene Lyrik hat mich ansonsten
gar nicht gepackt. Jogi konnte ich im weiteren mit weiterem Lyrik-Stoff
derselben versorgen, da ich als gelernter Büchermensch eine neue
Gesamtausgabe fand, die er noch nicht kannte.

Was mich dann bei Eva Strittmatter gepackt hat, sind ihre Aufsätze, einer vor
allem "Der Wanderer : ‚Franz Schuberts Winterreise'". "Fremd bin ich
eingezogen,_Fremd zieh' ich wieder aus"... stimmt gleich an, worum es geht:
um's Verstoßensein, darum, dass die Sehnsucht nicht eingesetzt wird in ihr
Recht. Den Wanderer "es gibt ihn, er ist da, er lebt, geht, Liebe ist, wird sein - die
fressende Sucht, vom Liebsten, von der Liebsten ins Recht gesetzt zu werden,
die kein andrer zu stillen vermag und die auch nicht gestillt werden will, weil
sie Kraft ist, die treibt - so Schwäche und Stärke in einem, und deren Verlust wir
vor allem anderen fürchten..." 

Nicht ankommen, sondern aushalten der Einsamkeit.

Der Künstler jagt der Sehnsucht nach in der Hoffnung sie nie zu finden.

So habe ich dann die "Winterreise" von der Frankfurter Kammeroper im Willy
Praml Theater eines Novemberabends hören und sehen können. (Die
Frankfurter Kammeroper, die genau über diesem Raum einen ihrer Auftrittsorte
hat.)

So sind hier jetzt neben den "ganz eigenen" Bildern solche ausgewählt mit
Bezügen zu gesehen und gehörten Szenen: "Der fruchtbare Berg" und 
"
...die Welle, die trägt" bezogen auf Jesus d'Aamour, das Osterstück des Willy
Praml Theaters, "Die Nebensonnen" und "Weg" bezogen auf die
"Winterreise".

"Ich wart auf Dich im Abendwind" ist meine Huldigung an eine - Jogis - Vertonung.